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Technische Universität Braunschweig - Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz


Das Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz (iBMB) besteht in seiner heutigen Form seit 1978 und gehört zur Fakultät 3 „Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften“ der Technischen Universität Braunschweig.

Die Geschichte des Instituts beginnt im Jahre 1922.
1963 ging aus dem Institut die „Amtliche Materialprüfanstalt für das Bauwesen“ hervor, die heute als „MPA Braunschweig“ bekannt ist und gemeinsam mit dem Institut mit insgesamt ca. 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein breites thematisches Spektrum in Forschung, Entwicklung, Materialprüfung, Überwachung, Zertifizierung und Beratung der Baupraxis bietet. Die fachliche Breite wird deutlich durch die vier Fachgebiete des Instituts: Baustoffe und Stahlbetonbau, Brandschutz, Massivbau, Organische Baustoffe.

Die fachliche Ausrichtung bildet sich auch in der universitären Lehre ab. Diese umfasst den konstruktiven Ingenieurbau (Baustoffe, Stahlbeton- und Massivbau), die Bauwerkserhaltung (Bauschadensanalyse, Bauwerksmonitoring, Bauwerksinstandsetzung und -verstärkung) und den Brand- und Katastrophenschutz, der in Braunschweig seit jeher eine herausragende Position einnimmt.

Mit Fragestellungen des Strahlenschutzes hat das Institut bei baustofflichen oder baukonstruktiven Fragestellungen bereits seit langem zu tun. Die Lagerung radioaktiver Reststoffe erfordert stets Baukonstruktionen, die als Bestandteil des Systems aus technischen und geologischen Barrieren den Eintritt von Radionukliden in die Biosphäre verhindern sollen. Hier werden hohe Anforderungen an Umschließungskonstruktionen und Baustoffe gestellt, die häufig weit über den üblichen Erfahrungen des Bauens liegen und weitergehende Forschung erfordern. So wurden am Institut z.B. Untersuchungen zur rechnerischen Langzeitprognose von stofflichen Degradationsprozessen von Ein- und Umschließungskonstruktionen für radioaktive Reststoffe durchgeführt. Außerdem wurden spezielle Verfüllmassen auf der Basis von so genanntem Salzbeton entwickelt und Projekte zu deren Anwendung durchgeführt.

Im Rahmen des Vertikalprojektes 7 der ENTRIA-Plattform beschäftigt sich das „Fachgebiet Baustoffe und Stahlbetonbau“ des iBMB mit der Untersuchung von Lösungsmöglichkeiten für die langzeitige temporäre Lagerung radioaktiver Abfälle an der Erdoberfläche oder in Oberflächennähe.

Die in Deutschland jahrzehntelang favorisierte Lösung der Tiefenlagerung in geologischen Formationen ohne Vorkehrungen zur Rückholbarkeit wird zunehmend hinterfragt. So wie auch im internationalen Vergleich sind Aspekte der Reversibilität und Rückholbarkeit mittlerweile Teil der öffentlichen Diskussion zur Behandlung radioaktiver Reststoffe. Außer planmäßigen Vorkehrungen, radioaktive Abfälle während eines gewissen Zeitraums aus einem Tiefenlager zurückholen zu können, zählt auch die langzeitige Lagerung an der Erdoberfläche bzw. in Oberflächennähe zu den denkbaren Optionen.

Verglichen mit üblichen Bauaufgaben stellt ein solches Langzeitzwischenlager die Bauwerkskonzeption, die Konstruktion und die Baustoffe vor große Herausforderungen. Je nach Abfallart und Ziel der Zwischenlagerung (Verringerung der Wärmeentwicklung, „Warten“ auf verbesserte technische Möglichkeiten zur Abfallbehandlung oder gar -verwertung, Suche und Einrichtung eines Tiefenlagers zur „Endlagerung“) müssen Zwischenlager u. U. über mehrere Jahrhunderte sicher und funktionsfähig sein. Eine solche Zeitspanne ist länger als der Erfahrungsbereich mit üblichen Ingenieurkonstruktionen und erfordert bei Planung, Realisierung und Betrieb besonderes Know-How und besondere Maßnahmen, um alle möglichen Einwirkungen auf das Bauwerk bei der Auslegung zu berücksichtigen. Da dies wegen der langen angestrebten Nutzungsdauer stets mit Unsicherheiten verbunden sein wird, sind Überwachung, Instandhaltung und Ertüchtigung während der Nutzung unerlässliche Konzeptbestandteile.

Die durch die Oberflächenposition oder -nähe bedingte Erreichbarkeit eines solchen Zwischenlagers ist hinsichtlich der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit, z.B. für Inspektionen und die Instandhaltung oder für technische Weiterentwicklungen von Vorteil. Ein Nachteil aus heutiger Sicht ist, dass politische und gesellschaftliche Verantwortlichkeit während der gesamten Nutzungszeit benötigt werden.

Welche Motivation hat das iBMB für die Bearbeitung von Vertikalprojekt 7?

Das Vertrauen der Menschen in die Industrie, die verantwortlichen Akteure und die Entscheidungsträger in der Frage des Umgangs mit radioaktiven Reststoffen ist beschädigt. Der Diskurs ist aktuell eher durch Emotionen als durch Fakten geprägt und wird mit großem Misstrauen geführt.

Das Ziel des Vertikalprojektes 7 ist es, ingenieurtechnische Konzepte für die langzeitige, temporäre Lagerung an der Oberfläche oder in Oberflächennähe zu erarbeiten und hinsichtlich vielfältiger Kriterien zu untersuchen. Hierdurch soll die Grundlage geschaffen werden, diese Variante bzw. Komponente der Behandlung und Lagerung radioaktiver Reststoffe in einen künftig wissensbasierten und sachlicheren Diskurs einbeziehen zu können